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18.01.2018

Von der traditionellen Krankenversicherung hin zum prädiktiven Gesundheitsförderer

Wann eigentlich möchten Sie das letzte Mal krank werden?

 

Ist das im Jahr 2018 noch akzeptabel? Und wie ist Ihre Erwartung für 2028? Und, noch wichtiger: Wie verändern Sie Ihr Leben, wenn Sie nicht mehr fürchten müssen, krank zu werden? Wir haben in den vergangenen Monaten bei uns im ThinkTank intensiv am Thema Gesundheit und deren Finanzierung gearbeitet, mit zahlreichen Innovatoren aus der Gesundheitsbranche diskutiert. Eine Erkenntnis: Es scheint offen zu sein, ob Krebs oder doch der Gehirntod zuerst heilbar sein werden. Insbesondere mit der wachsenden Leistungsfähigkeit von Technologie rückt die Lösung einiger der zentralen Menschheitsprobleme in greifbare Nähe. Gleichzeitig werden die bisherigen Mechanismen der Gesundheitsfinanzierung immer weniger greifen. Der Horizont der Diskussion weitet sich. 

 

Nicht nur ein Experte hat uns dargelegt: Der erste Mensch, der 1000 Jahre alt werden wird, ist bereits geboren. Noch einmal die Frage: Wie verändern Sie Ihr Leben, wenn Sie ohne Schwierigkeiten ganz unterschiedliche Berufsbiografien aneinanderreihen können? Wenn die Familienphase bis zum Auszug der Kinder nur noch einen kleinen Teil der eigenen Lebensspanne ausmacht? Für wie lange glauben Sie Ihrem Partner den Schwur ewiger Liebe „bis dass der Tod uns scheidet“: Für zehn Jahre, 25 oder 50 Jahre, für hundert oder zweihundert Jahre?

 

Die deutliche Verlängerung unseres Lebens verändert unser Zukunftsbild, fraglos. Derweil entwickeln unsere Körper weiter Krankheiten und wir erleben eine völlig andere, vertraute Realität. Ein Gesundheitswesen, das uns mit System und Methode regelmäßig enttäuscht: Wir gehen zum Arzt, um gesund zu werden. Stattdessen werden wir schriftlich für krank erklärt. Und die Krankenversicherung begleicht die Rechnung, nahezu völlig unabhängig von Ergebnissen und weiteren Schritten, normalerweise unbemerkt. Wir erkranken und genesen in einem System von Gesundheitsfinanzierung, das gleich aus mehreren Richtungen unter erheblichem Veränderungsdruck steht:

 

> Unser Bild des menschlichen Körpers verändert sich – weg von der Reparatur des Naturgegebenen, hin zur Optimierung. Die Leitfrage der Gesundheit wandelt sich mehr und mehr von einem „Wie stelle ich den Originalzustand meines Körpers wieder her?“ zu einem „Was kann ich tun, um mich morgen wohler zu fühlen, leistungsfähiger zu sein, über neue Funktionen zu verfügen?“. Der Körper wird zum gestaltbaren Gut, wahrscheinlich zu einem der wichtigsten gestaltbaren Güter des Menschen. Der Leistungskatalog der Krankenkassen läuft hier derweil immer stärker ins Leere.

 

 

> Wem vertrauen wir, wenn es um unseren Körper geht? Dem Hausarzt zum Beispiel – so haben wir es gelernt. Aber worauf gründen wir diesen Vertrauensvorschuss in der Zukunft? Ist es der Blick, die Stimme, der persönliche Kontakt oder ist es eher die Professionalität der Praxisorganisation? Sind es die bequemen Öffnungszeiten oder die schnell verfügbaren Termine? Das Wissen und die Analytik in seinem Kopf werden es künftig jedenfalls nicht sein können. Zu dramatisch schnell entwickeln sich Systeme künstlicher Intelligenz, welche größte Mengen komplexer Daten aus Forschung, Praxis – und unsere eigenen Gesundheitsdaten verarbeiten. Die Güte des ärztlichen Urteils hängt in Zukunft unmittelbar an der Leistungsfähigkeit seiner digitalen Intelligenz. Und deren Qualität wiederum können nur noch unsere eigenen digitalen Intelligenzen beurteilen.

 

 

> Zusätzlich steht die Versicherungsbranche, die heute unsere Gesundheit finanziert, insgesamt unter Druck: Technologisch, regulatorisch und finanziell, mehr noch in Kommunikation und Produktentwicklung. Adaptivität heißt die Herausforderung: Es enstehen massenhaft hoch individualisierte Produkte, die während ihrer Laufzeit flexibel atmend neue und veränderliche Bedürfnisse der Kunden aufnehmen, sich permanent an einen Wandel der Risikosituation anpassen. Damit steht das Solidarprinzip an sich unter Druck, sich neu zu begründen.

 

 

Diese und weitere Faktoren machen das Feld der Krankenversicherungen zu einem für uns Zukunftsforscher hochspannenden Thema. Als Forschungsprojekt in den vergangenen Monaten aufgesetzt, veröffentlicht der 2b AHEAD ThinkTank in dieser Woche die Ergebnisse in einer neuen Studie: „Die Zukunft der Krankenversicherungen“. Wir haben identifiziert, wer die Entwicklung treibt – und aus welchem Grund. Wir haben die Gestalter von Zukunft interviewt und ihre Aussagen zu einem substanziellen Zukunftsbild zusammengeführt: Von der traditionellen Krankenversicherung hin zum prädiktiven Gesundheitsförderer. Im Ergebnis prognostizieren wir einen grundlegenden Wandel für die Unternehmen der Branche, oder jedenfalls für diejenigen Unternehmen, die ihre Zukunft aktiv gestalten wollen. Ich lege Ihnen diese Studie ausdrücklich ans Herz. Es ist spannender Stoff!

 

 

Die Studie ist in Kooperation mit der AOK PLUS entstanden. Wir haben in sehr offenen, neugierigen und leidenschaftlichen Diskussionen über die Zukunft von Krankenversicherungen diskutiert und die Zukunft des solidarischen Prinzips gesucht. Die AOK PLUS war uns ein ebenso angenehmer wie im besten Sinne herausfordernder Partner auf der Suche nach Antworten für die eigene zukunftssichere Aufstellung.

 

 

Die Studie können Sie auf unserer Webseite herunterladen, wie immer kostenlos und gerne zur Weitergabe. Sie ist gedacht, die Diskussion voranzutreiben, den Horizont zu weiten und Debatten herauszufordern. Ich freue mich auf Ihre Reaktionen. 

 

Zur Studie

 

 

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